Neue Hoffnung für Schloss Reinhardsbrunn
Reinhardsbrunn

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip

Das Schlüssel-Schloss-Prinzip beschreibt die Funktion von zwei oder mehreren Strukturen, die zueinander passen müssen, um eine bestimmte Aufgabe erfüllen zu können.

Im Landkreis Gotha wurde 2013 der Versuch gestartet, ein echtes Schloss wieder aufzuschließen, als die damalige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) erklärte, sie mache das stark vom Verfall betroffene Schloss Reinhardsbrunn zur Chefsache. Die Regierungschefin veranlasste ein Rechtsgutachten, um zu prüfen, ob der Denkmalschutz eine Enteignung des Schlosses rechtfertigen würde. Das Gutachten bestätigt diesen Weg. Ihre Koalitionsregierung aus CDU und SPD leitete die Enteignung aber nicht mehr ein, der Schlüssel schien also gefunden, jedoch fehlte der schwarz-roten Landesregierung die Zeit, das dazugehörige Schloss aufzuschließen.

Die Enteignungseinleitung erfolgte dann im Sommer 2018 durch die rot-rot-grüne Landesregierung. Man muss sich vergegenwärtigen, dass eine Enteignung dieser Größenordnung, um dem Denkmalschutz gerecht zu werden, in Deutschland bisher einmalig ist.

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Meiningen vom 20. Januar 2021 rückt die Enteignung des Schlosses Reinhardsbrunn nun endlich in greifbare Nähe. Die Baulandkammer hat nämlich einen Antrag abgelehnt, mit dem die Durchsetzung der bereits beschlossenen Enteignung des Schlosses verhindert werden sollte. Nach vier Jahren Rechtsstreit wird somit neue Hoffnung auf die Wiederauferstehung des Denkmals geweckt.

Sollte es nach all den Jahren tatsächlich gelingen, das Schloss Reinhardsbrunn in den Besitz des Freistaats Thüringen zu übertragen, so ist der Schlüssel tatsächlich gefunden, die „Wiege Thüringens“ endlich wieder für seine Bürgerinnen und Bürger aufzuschließen – gut so!

Hans-Georg Creutzburg